3. November 2007

Heinz Mack

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mack01.jpgProf. Heinz Mack
Freier Bildhauer und Maler

Atelier Mack
Huppertzhof
Ueddinger Str. 232
41066 Mönchengladbach

Telefon 0 21 61 / 60 24 58
Telefax 0 21 61 / 60 39 74
E-Mail: mack-kunst@t-online.de
Homepage: www.mack-kunst.de  

Er ist Bildhauer und Maler, Realist und Utopist - und er ist in keiner “Schublade” der modernen Kunst unterzubringen. Der am 8. März 1931 im hessischen Lollar geborene Künstler besucht Anfang der 50er Jahre die Staatliche Kunstakademie in Düsseldorf und macht sein Staatsexamen in Kunst- und Werkerziehung; parallel studiert er in Köln Philosophie, und schließt diesen Studiengang ebenfalls mit dem Staatsexamen ab.

Die künstlerische Entwicklung Heinz Macks verläuft parallel zu seiner Kunst. Sie ist weder linear noch lässt sie sich durch Jahreszahlen klar eingrenzen. Sie folgt vielmehr einem rotierenden Prinzip, das die Vergangenheit mit einbezieht. Noch während des Studiums - im Jahre 1951 - beginnt sein Werkverzeichnis. Ein obeliskartiger “Grenzstein”, zwei Fassungen für ein “Monument der politischen Gefangenen”, eine Skulptur “Tier” - heute in der Berliner Nationalgalerie zu finden - , der “König” und die “Eva” aus Eschenholz sowie ein Rotationsbild sind Werke eines Lebensabschnittes, die der Künstler selbst als die “Zeit der Suche” bezeichnet.

Heinz Mack erinnert sich: “1950, im Alter von 19 Jahren, sah ich zum ersten Mal das Bild mit der Fruchtschale von Matisse im Petit Palais in Paris (jenes Bild, dessen stolzer Besitzer übrigens Picasso war). Ich ging täglich einmal zu diesem Bild - so wie andere Leute in die Kirche gehen, um Gott zu danken, dass sie leben.” Weiter sagt Mack über diese Zeit: “Um 1956 begann meine Malerei mit der verzweifelten Frage: ‚Wie soll ich denn malen?’ Sehr schwarze Bilder waren Ausdruck einer Verzweifelung, die meinen Künstlerfreunden mitzuteilen ich nicht wagte.”

1957 ist Heinz Mack zusammen mit Otto Piene Mitbegründer der avantgardistischen Künstlergruppe ZERO, mit der sein Name seither untrennbar verbunden ist. Diese Kunstrichtung stellt den Betrachter vor völlig neue und provozierende Aspekte: Licht, Bewegung, Raum, Zeit, Dynamik, Vibration und serielle Struktur zeigt sie an Stelle von “klassischen Kompositionen”. Benannt nach dem Moment Null beim Raketenstart, will ZERO laut Mack eine “Zone des Schweigens vor dem Neubeginn” schaffen und in der Kunst eine Entmaterialisierung des Kunstwerkes bewirken.

Licht und Bewegung sind die zentralen Themen der neu entstehenden Kunstwerke wie zum Beispiel des “Sahara-Projekts”, das Heinz Mack 1958 konzipiert und in den Jahren 1968/69 teilweise realisiert. Dabei errichtet der Künstler Stelen in der Wüstenlandschaft und veranschaulicht so seine Vision einer künstlerischen Übersteigerung weiter, unberührter Landschaften. Stelen sind für ihn “eine letzte Formulierung des Menschen, der aufrecht - mit Würde - im grenzenlosen Raum steht”. Vielfältig ist die Liste der Ausstellungen, in denen Mack seine vielen unterschiedlichen Stelen präsentiert: So unter anderem bei Howard Wise in New York (1966), im Deutschen Pavillon der Biennale in Venedig (1970) oder in der Kunsthalle in Düsseldorf.

Zum Signet der ZERO-Bewegung, die bis 1966 lebendig bleibt, ist allerdings der Rotor geworden. Der Rotor, motorisch betrieben seit 1959, verdeutlicht Macks Vorstellung eines dynamischen, bewegten und sich ständig verändernden Erscheinungsbildes. Die wohl bekannteste Gestaltung dieser Reihe, der für die Dokumenta III in Kassel von Mack, Piene und Uecker konzipierte “LICHT-RAUM”, befindet sich heute im Kunstmuseum in Düsseldorf.

Die Lichtreliefs, zu denen auch die “Flügel” gehören, bilden eine weitere selbstständige Gruppe. Sie tritt vor allem während der siebziger Jahre - nach Auflösung der ZERO-Bewegung - in Erscheinung, die von Heinz Mack als “Zeit zu fliegen” bezeichnet wird. Am Flügel-Motiv - so Mack - lasse sich die Verbindung von Traum (Engel) und Realität (Technik) besonders gut darstellen. Dafür verwendet der Künstler Material aus der Raketenindustrie; die Formen entstehen durch Dehnung bzw. Stauchung der vorgefertigten Gitterstrukturen.

Mack sieht eine innige Beziehung zwischen der Skulptur, dem Raum, der sie umgibt und vor allem dem Licht, das auch in seinem malerischen Schaffen eine so große Rolle spielt. “Für mich ist der Raum ebenso wichtig wie die Skulptur, die ich in den Raum stelle und umgekehrt. Ich kann das eine ohne das andere nicht denken.” Für Heinz Mack sind Raum und Skulptur untrennbar miteinander verbunden. “Stelle ich eine Skulptur in verschiedenen Räumen auf - sei es ein Innenraum oder ein Außenraum - so wird ihre Erscheinung eine jeweils andere sein. Im Idealfall kommt ein bestimmter Raum, ein bestimmtes Licht und ein bestimmter Betrachter zusammen. Dies scheint selbstverständlich, ist es aber nicht.”

Die achtziger Jahre stehen für Heinz Mack zunächst stark im Zeichen der Öffentlichkeit: Er erhält viele Aufträge zur Gestaltung des öffentlichen Raums. So stellt er 1981 den Platz vor der Dresdner Bank in Frankfurt fertig, den “Jürgen-Ponto-Platz”. 1984 wird die fast zehn Meter hohe “Columne pro caelo” auf dem Roncalli-Platz vor dem Kölner Dom errichtet. 1989 konzipiert der den Platz der Deutschen Einheit vor der Landeszentralbank in Düsseldorf. Im Januar 2000 feiert er, gemeinsam mit den Verantwortlichen und der Bevölkerung, die Fertigstellung der sieben je dreizehn Meter hohen Stahlstelen vor den Gebäuden der Essener Hypothekenbank AG.

Nach 27 Jahren “Pause” widmet sich Heinz Mack in den neunziger Jahren wieder der Malerei. Das Oeuvre der überwiegend großformatigen Bilder wächst allein bis 1997 auf rund 300 Werke. Der Künstler nennt seine Werke “Chromatische Konstellationen”. “Das Glück, welches mir Farben bereiten, lässt sich durch kein anderes ersetzen. Wenn man ein schwarzes oder weißes Bild malen will, muss man sehr viel von Farbe verstehen”, sagt Mack. Und er definiert sich und seine Arbeiten im Vergleich: “Yves Klein hat sein Blau entdeckt, Manzoni und Uecker hatten sich für die Farbe Weiß entschieden, Piene für Rot und Gelb, Ad Reinhard malte die schwärzesten Bilder der Welt. Für mich blieb das Spektrum der Farben übrig, der Regenbogen.”
Licht spielt für Heinz Mack eine zentrale Rolle. Er bevorzugt jene Farben, die im Lichtspektrum als Sequenz erscheinen, als Folge, als Struktur, als ein in sich stimmiges Kontinuum des Farblichts. Unter Kontinuum versteht Mack, dass jede Lichtfarbe der unmittelbar vorausgegangenen Farbe folgt, um gleichzeitig und sich verwandelnd, also chromatisch, in die Nächste reine Lichtfarbe überzugehen. Die Farben gehen nuancenreich ineinander über, ohne dabei eine wesentliche Eigenschaft zu verlieren, nämlich von Stufe zu Stufe deutlich Farbkontraste zu zeigen. Hier wird ein allerdings nur scheinbarer Widerspruch deutlich: über die Stufen einer Treppe unmerklich gleitend auf- und absteigen. Mack: “Was in Wirklichkeit nicht möglich ist - unsere Augen können es!”

Kontinuum heißt für Mack auch, dass in seinen chromatischen Farbstrukturen der Verdichtung einer Farbe immer eine Aufhellung folgt und umgekehrt. Der gleitende Übergang von einer Farbe zu ihrer nächsten Kontrastfarbe wird nur möglich, weil der Künstler eine kleinere, aber nicht weniger wichtige Stufe dazwischen legt. Mack: “Um ein Beispiel zu nennen: Wenn ich eine grüne Farbzone auf ein blaues Farbfeld folgen lasse, dann kann die kleine Zwischenstufe nur dadurch zu Stande kommen, dass ich beide Farben mische; damit sind die beiden Farben Blau und Grün gleichzeitig in der dritten Farbe, in diesem Beispiel einem Blaugrün präsent.”

Trotz aller “Lichtfarben” braucht Mack das Weiß als Malfläche, als Untergrund, als Reflexionsfläche für das Licht. Das Weiß ist für ihn immer von wesentlicher Bedeutung für die Reinheit und Strahlkraft der Farben. In den chromatischen Bildern von Mack haben Formen nur noch die Bedeutung einer rhythmischen Begrenzung, innerhalb derer das Licht als Farbe in Erscheinung tritt. Mack: “Damit ich mich auf das Abenteuer der reinen Malerei einlassen kann, muss die Form der Begrenzung so einfach oder so offen wie möglich sein. Malerei hat mich immer fasziniert, wenn sie von Licht erfüllt ist. Aber Malerei ist für mich auch weit mehr; sie ist jener Vordergrund des unendlich tiefen und schwarzen Raums, in dem Licht und Farbe untrennbar eins geworden sind. Die Identität von Licht und Farbe, welche im Spektrum sichtbar wird, ist der Gegenstand meiner Malerei - es ist ihr einziger Gegenstand.”
Einen Beweis für seine Vielseitigkeit liefert Mack im Jahre 1999. Er gestaltet anlässlich des 250. Geburtstages von Goethe: “MACK: Ein Buch der Bilder zum West-östlichen Divan von Johann Wolfgang von Goethe”. Der Künstler wählt zahlreiche Gedichte aus, schreibt sie mit seiner charaktervollen Handschrift, der Rechtschreibung Goethes folgend und setzt sie in bezug zu seinen farbigen Pastellen sowie den Tuschen, die eigens zu den Gedichten entstanden sind. Wort und Bild treten in einen spannungsvollen Dialog zueinander; der orientalische Reichtum an Empfindungen und Sprachbildern begegnen in Goethes Gedichten der reflektierenden Strenge der westlichen Kultur und findet in der Sprachmelodie, den rhythmischen Versmaßen und der Sinnlichkeit der Gedichte zu einer wunderbaren poetischen Einheit.

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